Startseite
  Über...
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
  Abonnieren

   25.08.14 00:23
    ...na, das klingt ja ric
   28.08.14 22:04
    gefällt mir sehr, inhalt

http://myblog.de/einfallsreichideenlos

Gratis bloggen bei
myblog.de





Til Schweiger und die Generation Praktikum im Dunste der App-Gase

Neulich Til Schweiger in einer Show gesehen. Till Schweiger personifiziert für mich Schwein. So richtig Schwein. Ich präzisiere: Glücksschwein. Wieso ist der Mann heute, wo er heute ist? Wer hat den da hingelassen? Mit Blick auf die Situation meiner gleichaltrigen Studienkollegen oder auch einiger Freunde drängt sich mir die Frage auf, ob dieser Til Schweiger je ein Praktikum gemacht hat. Ob das für ihn infrage kam. Oder ob er, wenn ich ihn beispielsweise als Nachbarn kennen würde, mir damals zu einer völlig anderen Laufbahn und zu einem "ordentlichen Handwerk" geraten hätte. Was hätte er gesagt zu den unbezahlten Praktika, die Lisa und Hannah und Annafried* (*Namen aus Gründen der respektvollen Wahrung der Würde geändert) absolviert haben, um vielleicht, irgendwann in ferner Zukunft einmal einen lukrativen Job zu ergattern? Hätte er es lächerlich gefunden? Was sagt er zu der aussichtslosen Lage einiger Absolventen, die durch gesellschaftlichen oder elterlichen Druck dazu genötigt wurden, ein Studium abzuschließen, wenngleich sie ihre Talente viel besser in ein Handwerk gesteckt hätten? Und was zu den traurigen Schicksalen der Musterstudenten, die summa cum laude oder auch schlicht "mit Bravour" ihren neumodischen Bachelor erworben haben und nunmehr im Supermarkt Suppengrün über das Band ziehen müssen, um ihr 25qm-Appartement finanzieren zu können und sich ihre Fitnessstudiomitgliedschaft zu leisten? Und wann war Til selbstständig? Wann hat er seinen Eltern einen Brief geschrieben mit den Worten "Danke für eure jahrelange Unterstützung, ich kann von nunan auf meinen eigenen Füßen stehen"? Heutzutage schreibt sowieso keiner Briefe mehr, und das ist gewissermaßen das eigentliche Unglück. Der Hund liegt auf dem Haufen des unbeschriebenen Altpapiers begraben. Die Bereitschaft, ein Buch zu lesen, verliert sich langsam im Dunst der App-Gase, die Rechtschreibung weicht einem gern verulkten Jugendslang. Die eigenen Gehirnzellen bilden sich spürbar zurück, es ist als sprächen sie zueinander: "hast du heute lust?" - "nee. Bin irgendwie müde. .." - "wie wärs, wenn wir Poetryslammer werden würden?"- "achnee, gibt es schon."- dann geh ich schlafen.."- "wir sind doch gerade erst wach geworden" -" du vielleicht, aber ich kann nur für mich sprechen: meine Langeweile bringt mich im wachen Zustand schneller um." Es gibt diese Folge einer beliebten US-Comedyserie, wo sich einer der Protagonisten beklagt, er habe sein Leben vergeudet und nicht annähernd so viele Klassiker gelesen, wie er es hätte (wollen) sollen. Sicher hat er recht, wenn er denkt, es wäre womöglich bereichernd gewesen, sich mehr zu bilden und in mehrere spannende Geschichten einzutauschen. Doch einen Silberstreif gibt es an diesem grauen, sumpfigen Horizont: die Orientierung erfolgt bestenfalls an sich selbst. Wenn man ein hohes Alter erreicht und noch immer keine 250 Bücher verschlungen hat, dann bedeutet das offensichtlich, dass erstens der eigene Weg nicht an 250 Büchern vorbeigeführt hat und dass zweitens es auch irgendwie so ging. Und wer dann immernoch an ein Verbrechen glaubt und kurz davor ist, sich zur Strafe als Märtyrer im Keller einer Bücherei einzubetonieren, der kann ja einfach bei Til Schweiger vorbeigehen und den fragen, wieviele der gelesen hat. Und in meinem Namen auch die ganzen anderen Ungereimtheiten aufklären.
5.1.15 23:14
 
Letzte Einträge: Kurze Beine, dicker Po-macht ja nix. Es gibt Plateau, Tic(k) Tack Mitten im Nebel, Neues von der Fingernagelfront, Youtube- Reise in eine neue Riesenwelt, Glückwunsch zum Abschluss und Nein Sie bekommen kein Arbeitslosengeld


Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung